• Startseite
  • Blog
  • Wie die Computertomographie die innere Anatomie von Fledermausschädeln offenbart

Wie die Computertomographie die innere Anatomie von Fledermausschädeln offenbart

15. November 2016

Abigail Curtis, Postdoktorandin am American Museum of Natural History in New York, veranschaulicht, wie die Computertomographie unerwartete wissenschaftliche Einblicke in die Physiologie von Fledermäusen ermöglicht.

Abigail Curtis, Postdoktorandin am American Museum of Natural History in New York, veranschaulicht, wie die Computertomographie unerwartete wissenschaftliche Einblicke in die Physiologie von Fledermäusen eröffnet. Mithilfe von Röntgentomographie werden digitale Rekonstruktionen von modernen und fossilen Fledermausproben erstellt. Diese Aufnahmen ermöglichen die Erforschung, wie Fledermausarten eine spezialisierte Anatomie zur Nahrungsaufnahme, Kommunikation und Orientierung entwickelt haben. Vor allem nutzen Forscher zerstörungsfreie Prüfmethoden, um digitale Fhlerscans weltweit auszutauschen und global zusammenzuarbeiten.

How-Computed-Tomography-Reveals-the-Internal-Anatomy-of-Bat-Skulls2

Mikrofledermäuse und Megafledermäuse

Dieser Vortrag bietet einen Überblick über die verschiedenen Fledermausarten und die von Biologen gesammelten Proben. Sie werden kaum glauben, welch unglaubliche Vielfalt innerhalb dieser Säugetiergruppe existiert – von Exemplaren mit einem Gewicht von mehreren Kilos bis hin zu Fledermäusen, die kleiner sind als eine Daumenspitze. Dennoch ist die Physiognomie von Fledermäusen über alle Arten hinweg bemerkenswert ähnlich und gleichzeitig einzigartig spezialisiert, um unterschiedliche Funktionen zu erfüllen.

Sehen Sie sich ein 25-minütiges Video an, um faszinierende Einblicke in die Anwendung der CT in der Fledermausforschung zu gewinnen. Sie sehen, wie Forscher anatomische Strukturen entdeckten, die aus Schädel-CT-Bildern isoliert und separat untersucht wurden. Abigail erläutert zudem, wie das Forscherteam CT-Bilddaten nutzte, um standortübergreifend auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten.

Die Evolution der Fledermaus untersuchen

Fledermäuse bilden tatsächlich die zweitgrößte Säugetierordnung. Nach den Nagetieren mit rund 2.000 Arten gibt es zwischen 1.300 und 1.500 Fledermausarten, die umso ungewöhnlicher erscheinen, je näher man sich mit ihnen befasst. Betrachtet man den Aufbau des Gesichts und der Knochen im Detail, zeigt sich, dass sich auch die Knochenstrukturen zwischen den Arten stark unterscheiden. Diese Strukturen bzw. Unterschiede stehen im Zusammenhang damit, wie sie ihren Schädel einsetzen.

YXL_Video_Abigail_BatDiversity_Thumb

Knochen sind im Grunde faszinierende Physik. Es ist angewandte Physik an Knochen. Wenn man diese Schädel in den hinteren Bereich (auf dem Bild auf dieser Seite rot markiert), der im Wesentlichen das Gehirn schützt, und den vorderen Bereich in Blau, die Schnauze, unterteilt, spiegelt das eigentliche Verhältnis der Schnauze zum Hirnbereich wider, wie sie ihren Schädel nutzen. Das Exemplar rechts ernährt sich also von hartem Obst. Solche Prinzipien lassen sich auch bei Hunden beobachten. Sie würden sich wahrscheinlich eher von einem Collie als von einem Pitbull beißen lassen, und die beiden haben sehr unterschiedlich geformte Schnauzen. Bei Haushunden können wir das intuitiv nachvollziehen. Das Exemplar links ähnelt gewissermaßen einem Kolibri und ernährt sich von Nektar. Daher hat es eine wirklich lange, schmale Schnauze und muss keine harten Fruchtkerne zerkleinern. Das Exemplar mit der intermediären Form ist ebenfalls ein Allesfresser. Die Bandbreite der Schädel längen weist eine enorme Vielfalt auf. Genau das ist es, was mich als Biologin wirklich fasziniert.

Untersuchung von Fledermaussädeln mittels Computertomographie

YXL_Video_Abigail_BatCheetos_Thumb

Das ist mein neues Lieblingsbild. In der Biologie machen die „Coolen Kids“ heutzutage alle Weichgewebe-Röntgen-CT-Untersuchungen. Diese Fledermaus hier (Bild rechts) sieht aus, als wäre sie in eine Tüte Cheetos geraten, ist aber in Wirklichkeit ein Nektarfresser. Sie hat ihr Gesicht in die Pflanze gesteckt und dabei den ganzen Kopf mit Blütenstaub bedeckt. Mithilfe von CT-Scans lassen sich hochinteressante Details des Gewebes erkennen, darunter das Gehirn und insbesondere das Kleinhirn, das für Gleichgewicht und Bewegungswahrnehmung zuständig ist. Wir können Dichteunterschiede im Gehirn, Merkmale der Nasenhöhle, Weichgewebestrukturen und auch die den Schädel umgebenden Muskeln sichtbar machen.

YXL_Video_Abigail_Bat_Skull_Thumb

Mit diesen Scans ist es möglich, die Weichgewebe zu isolieren und wieder exakt auf den Knochen zu projizieren. In diesem Bild (rechts) sehen Sie den Fledermaussädel mit den Kiefernschließmuskeln in Rot und Blau, während der Kieferöffner in Purpur dargestellt ist. So lässt sich nachvollziehen, wie die Muskelfasern ausgerichtet sind, wie sich ihre Ausrichtung verändert, wenn man eine Fledermaus mit geschlossenem versus geöffnetem Maul scannt, und wie sich dies im Vergleich zu anderen Säugetierarten verhält.

YXL_Video_Abigail_BatComparisons_Thumb

Auf dem letzten Bild (rechts) sehen wir eine fleischfressende Fledermausart, ein wieselartiges Tier, eine Spitzmaus und eine Nagetierart. Vielleicht etwas in der Art einer Bisamratte, nur etwas kleiner. Man kann also untersuchen, wie sich diese verschiedenen Muskelpartien in ihrem prozentualen Verhältnis zwischen den Arten unterscheiden. Bei pflanzenfressenden Tieren liegt der Schwerpunkt stärker auf diesem blauen Muskel. Im Gegensatz dazu weist dieses Exemplar (oben rechts in der Viereransicht), das sich von sehr hartem Obst ernährt und bei weit geöffnetem Maul eine enorme Beißkraft aufbringen muss, oben einen sehr großen roten Muskel auf. So lassen sich die evolutionären Muster der Kiefermuskulatur und deren Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme besser verstehen.

Die drei neuesten News

Blick durchs Glas: Röntgeninspektion von Durchkontaktierungen (TGV) für Advanced Packaging

22. Juni 2026 | Dr. Daniel Stickler

Glas gewinnt als Substratmaterial für fortschrittliche Halbleitergehäuse zunehmend an Bedeutung. Seine Dimensionsstabilität und elektrischen Eigenschaften machen es zu einer interessanten Basis für großflächige Panels und hochdichte Verbindungsstrukturen. Werden elektrische Verbindungen jedoch mittels Through-Glass-Vias (TGVs) durch das Glas geführt, entsteht eine neue Herausforderung bei der Inspektion: Viele der relevanten Defekte sind von der Oberfläche aus nicht mehr sichtbar. Auf der Photomask Japan 2026 präsentierten wir unsere ersten Bildgebungsbeispiele für Glassubstrate und TGV-Strukturen. Die Ergebnisse zeigen, wie Röntgenbildgebung einen zerstörungsfreien Zugang zu Defekten in geätzten Glas-Vias und metallisierten TGVs ermöglicht – und warum geneigte Radiographie, Computerlaminografie Detektorleistung und KI-gestützte Analyse spielen alle eine Rolle.

Mehr lesen

Neue Entdeckungen im Duvenseer Moor in Schleswig-Holstein dank CT.

8. Juni 2026

Anfang des Jahres hatten wir die Gelegenheit, mit der Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte Medizintechnik IMTE (Fraunhofer IMTE) und dem Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) an einem einzigartigen Fund in einem Auerochsenschädel zu kooperieren, der im ältesten bekannten Grab Norddeutschlands – dem Duvenseer Moor in Schleswig-Holstein – entdeckt wurde.

Mehr lesen

Ein Schülerpraktikum in der 9. Klasse, ein CT-Scan und eine KI, die gelernt hat, Zucker von Salz zu unterscheiden

12. Februar 2026 | Dr. Daniel Stickler

Während eines dreiwöchigen Schülerpraktikums bei Comet Yxlon hatte ich die Gelegenheit, eine neunte Klasse zu betreuen, die neugierig, motiviert und (aus guten Gründen) nicht befugt war, Röntgengeräte eigenständig zu bedienen. Daher haben wir ein Projekt entwickelt, das sich dennoch real anfühlt: praktische Daten, echte Analysen und ein klares Ergebnis. Das Ziel war es, dass sie eigenständig mit Software arbeiten und dabei die Grundlagen der Röntgendiagnostik und Computertomographie kennenlernen.

Mehr lesen