Vor genau 125 Jahren entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen durch Zufall die Röntgenstrahlen.

7. November 2020

Viele Spekulationen darüber, was uns Röntgenstrahlen in Zukunft ermöglichen würden, sind Fiktion geblieben, doch die heutige Realität hätte die Vorstellungskraft von damals vermutlich übertroffen. (Bild von Nick Veasey unter Verwendung von Röntgenröhren von Comet)

Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte die Röntgenstrahlen durch Zufall. Damals war dies nicht nur eine wissenschaftliche Sensation; die Vorstellung, mit einer Art Superkraft in Körper und Gegenstände blicken zu können, faszinierte die gesamte Gesellschaft. Die Entdeckung revolutionierte nicht nur die moderne Medizin, sondern ermöglichte eine ganze Reihe von Innovationen, die die Welt veränderten. So hilft die Röntgentechnologie beispielsweise dabei, unsere DNA zu entschlüsseln, den Kosmos weiter zu erforschen oder schlicht unsere tägliche Welt sicherer zu machen.

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Durch Zufall und wissenschaftliche Neugier entdeckt

Als Professor an der Universität Würzburg experimentierte Wilhelm Conrad Röntgen wie viele andere Physiker zu dieser Zeit mit Kathodenstrahlen. Am Abend des 8. November 1895 beobachtete Röntgen während eines Experiments in seinem dunklen Labor zufällig bisher unbekannte Strahlen und nannte sie Röntgenstrahlen. Niemand weiß wirklich genau, wie die Entdeckung stattfand, denn Röntgen hatte in seinem Testament verfügt, dass alle seine Aufzeichnungen nach seinem Tod verbrannt werden sollten. Die Beobachtung hatte jedenfalls Röntgens wissenschaftliche Neugier geweckt. Vorerst hinter verschlossenen Türen erforschte er die Strahlen unermüdlich weiter. Doch bereits im Dezember 1895 veröffentlichte er seinen berühmten Artikel «Über eine neue Art von Strahlen». (About a new type of rays)

"Eine neue Art von Strahlen" © Archiv des Deutschen Röntgen-Museums
Röntgenaufnahme der Hand seiner Frau mit Ehering

Das Röntgenfieber

Während dieser frühen Forschungen entstand die Fotografie der Knochen und des Eherings seiner Frau Bertha, die später weltberühmt wurde. Da damals in vielen Laboratorien Kathodenstrahlröhren vorhanden waren, wurden seine Ergebnisse von der internationalen Fachwelt schnell bestätigt und die Entdeckung der Röntgenstrahlen zu einer wissenschaftlichen Sensation. Am 23. Januar 1896 hielt Röntgen seinen einzigen öffentlichen Vortrag zu diesem Thema. Damals wurden die Strahlen in „Röntgenstrahlen“ umbenannt. Die neue Möglichkeit, in den Körper und diverse Gegenstände zu blicken, faszinierte die gesamte Gesellschaft und es brach ein echtes „Röntgenfieber“ aus. Alles Mögliche wurde durchleuchtet, oft auch nur zum reinen Vergnügen. Damals waren die gesundheitlichen Folgen einer Strahlendosis für den menschlichen Körper noch nicht bekannt. Schutzmaßnahmen setzten sich erst viel später international durch.

Es gab zudem zahllose Spekulationen darüber, was die „Superkraft“ der Röntgenstrahlen uns in Zukunft ermöglichen würde. So träumte man von Ferngläsern, mit denen man Menschen durch Wände beobachten oder Unterwäsche durch Kleidung hindurch sehen könnte.

Erster Nobelpreis für Physik ohne Schulabschluss

1901 wurde Röntgen als weltweit erster Wissenschaftler mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Während seiner Schulzeit hätte ihm eine solche Karriere wohl niemand zugetraut. Wilhelm Conrad Röntgen wurde in Deutschland im heutigen Remscheid geboren, wuchs im niederländischen Utrecht auf und besuchte dort die Technische Schule. Nach einem Zwischenfall, bei dem er einen Mitschüler nicht verraten wollte, der eine Karikatur eines Lehrers gezeichnet hatte, musste er die Schule ohne Abschluss verlassen. Eine ordentliche Immatrikulation für ein Studium war ihm in den Niederlanden daher nicht möglich. Von einem Schweizer Ingenieur erfuhr er, dass man an der Eidgenössischen Polytechnischen Schule in Zürich, der heutigen ETH, nach einer Aufnahmeprüfung auch ohne Abitur studieren konnte. Aufgrund seiner Vorkenntnisse und der Fürsprache eines Professors wurde Röntgen 1865 sogar ohne Aufnahmeprüfung zum Studium zugelassen. Bereits drei Jahre später schloss er das Studium mit dem Diplom als Maschineningenieur ab. Es war August Kundt, ein junger deutscher Physikprofessor an der ETH Zürich, der Röntgen schließlich für die Physik begeisterte. Bei ihm verfasste Röntgen auch seine Dissertation mit dem Titel „Studien über Gase“. Nebenbei lernte Röntgen in Zürich auch seine Frau Bertha kennen. Bertha war die Tochter des Wirts der Zürcher Gaststätte „Zum Grünen Glas“.

Wilhelm Conrad Röntgen und seine Nobelpreisurkunde

Die Basis für zahlreiche Innovationen unserer modernen Welt

Röntgenstrahlen lassen sich durchaus als „Superkraft“ betrachten, denn sie haben zahlreiche Innovationen ermöglicht, die unsere moderne Welt besser gemacht haben. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen hat nicht nur die moderne Medizin und Forschung revolutioniert – wo sie helfen, unsere DNA oder die Strukturen von Viren zu entschlüsseln –, sondern auch viele andere Bereiche, die der Öffentlichkeit weniger bekannt sind:

So werden beispielsweise Röntgenteleskope ins All entsandt, um Schwarze Löcher zu untersuchen. 

In unserem Alltag sorgt die X-Ray-Technologie für mehr Sicherheit. An Flughäfen wird Gepäck mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. In der industriellen Produktion von Autos und Flugzeugen wird die X-Ray-Technologie für die zerstörungsfreie Materialprüfung von Bauteilen eingesetzt. Auf diese Weise werden Defekte erkannt, die von außen nicht sichtbar sind.

Neueste X-Ray-Technologien erlauben sogar die zerstörungsfreie Qualitätsprüfung von Strukturen im Nanobereich bei den immer kleiner werdenden Mikrochips für unsere täglichen digitalen Anwendungen. Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche treibt die Weiterentwicklung der X-Ray-Technologie im Halbleiter- und Elektroniksektor kontinuierlich voran. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werden in Zukunft auch bei der Qualitätsprüfung in dynamischen Prozessen eine immer wichtigere Rolle spielen.

 

Durch die jüngste Übernahme von ORS, einem kanadischen Softwareunternehmen, hat Comet seine Kompetenzen in den Bereichen Datenanalyse, KI und maschinelles Lernen weiter ausgebaut. Hier trägt die Zukunft der X-Ray-Technologie dazu bei, automatisch, präzise und schnell exakte Informationen zu gewinnen, die Produktionsprozesse verbessern und letztlich zu einer sichereren und nachhaltigeren Fertigung führen.

Comet X-Ray Module kommen in vielen zukunftsweisenden industriellen Fertigungsschritten zum Einsatz, unterstützt durch Künstliche Intelligenz.

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